Netzwerk & PoE
Eine Video-Türklingel braucht normalerweise zwei Dinge: Strom und eine Verbindung zum Netzwerk. Bei vielen Modellen übernimmt WLAN die Datenübertragung, während ein Klingeltrafo oder Akku für die Stromversorgung zuständig ist. Mit Power over Ethernet, kurz PoE, geht beides über ein einziges Netzwerkkabel.
Gerade bei einem Neubau, einer Renovierung oder einer ohnehin vorhandenen Netzwerkleitung zur Haustür ist PoE deshalb eine interessante Lösung. Die Türklingel benötigt weder WLAN noch ein separates Netzteil direkt an der Tür.
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Was bedeutet PoE bei einer Video-Türklingel?
PoE steht für Power over Ethernet. Über die Adern eines Ethernet-Kabels werden Netzwerkdaten und elektrische Energie übertragen. Ein PoE-fähiger Switch oder ein sogenannter PoE-Injektor speist die benötigte Spannung in die Leitung ein.
An der Haustür kommt dadurch nur ein Netzwerkkabel an. Dieses wird direkt mit der Video-Türklingel verbunden. Unterstützt das Gerät echtes PoE, erhält es darüber sowohl seine Netzwerkverbindung als auch die benötigte Energie.
Warum PoE bei einer smarten Türklingel sinnvoll ist
Der größte Vorteil ist für mich die zuverlässige kabelgebundene Verbindung. Eine Haustür liegt nicht immer an einer Stelle mit gutem WLAN-Empfang. Massive Außenwände, Wärmedämmung oder größere Entfernung zum Access Point können die Verbindung zusätzlich verschlechtern.
Mit Ethernet spielt die WLAN-Abdeckung an der Haustür keine Rolle mehr. Gleichzeitig entfällt ein Akku, der regelmäßig geladen werden muss.
- Strom und Netzwerk über nur ein Kabel
- keine Abhängigkeit vom WLAN an der Haustür
- kein regelmäßiges Laden eines Akkus
- dauerhafte Netzwerkverbindung
- gut für NAS-, NVR- und Smart-Home-Integrationen geeignet
- Stromversorgung kann zentral im Netzwerkschrank erfolgen
Was brauche ich für eine PoE-Türklingel?
Der Aufbau ist relativ einfach. Neben einer PoE-fähigen Video-Türklingel brauchst du ein Ethernet-Kabel und eine geeignete Stromquelle für PoE.
In einem Haus mit mehreren Netzwerkgeräten ist ein PoE-Switch meist die praktischste Variante. Soll lediglich eine einzige Türklingel mit PoE versorgt werden, kann ein einzelner PoE-Injektor günstiger sein.
Variante 1: PoE-Switch
Ein PoE-Switch kombiniert Netzwerk-Switch und Stromversorgung. Neben der Türklingel können damit beispielsweise IP-Kameras oder WLAN-Access-Points versorgt werden.
Für ein kleines Heimnetz reicht häufig bereits ein kompakter Switch wie der TP-Link TL-SG1005P. Er bietet mehrere PoE-Ports und unterstützt die verbreiteten Standards IEEE 802.3af und 802.3at.
Variante 2: PoE-Injektor
Ein PoE-Injektor wird zwischen Router oder Switch und die Netzwerkleitung zur Türklingel gesetzt. Er ergänzt die Stromversorgung auf der Ethernet-Leitung. Das ist praktisch, wenn der vorhandene Switch kein PoE unterstützt und nur ein einzelnes Gerät versorgt werden soll.
PoE, PoE+ und Passive PoE: Darauf solltest du achten
Beim Kauf von Zubehör solltest du nicht einfach irgendein Gerät verwenden, auf dem „PoE“ steht. Bei aktuellen Netzwerkgeräten sind vor allem IEEE 802.3af und 802.3at verbreitet.
| Bezeichnung | Standard | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| PoE | IEEE 802.3af | Türklingeln, Kameras, Access Points |
| PoE+ | IEEE 802.3at | Geräte mit höherem Leistungsbedarf |
| Passive PoE | kein automatisch ausgehandelter Standard | nur verwenden, wenn Gerät ausdrücklich dafür vorgesehen ist |
Besonders bei günstigem Zubehör findet man noch sogenannte passive PoE-Lösungen. Diese sollte man nicht ohne Prüfung mit einer Video-Türklingel verbinden. Am sichersten ist es, den vom Hersteller angegebenen IEEE-Standard einzuhalten.
Reolink Video Doorbell PoE
Ein interessantes Modell für ein klassisches PoE-Netzwerk ist die Reolink Video Doorbell PoE. Sie unterstützt IEEE 802.3af und besitzt einen Ethernet-Anschluss. Damit benötigt die Türklingel an der Haustür nur eine passende Netzwerkleitung.
Reolink ist zusätzlich interessant, wenn die Türklingel später mit einem NVR, NAS oder Home Assistant kombiniert werden soll. Auch lokale Speicherung spielt bei Reolink eine größere Rolle als bei manchen stark cloudorientierten Systemen.
Die verschiedenen Reolink-Versionen haben wir zusätzlich hier miteinander verglichen:
Reolink Video Doorbell: PoE, WLAN oder Akku im Vergleich
DoorBird mit PoE
Auch DoorBird setzt bei verschiedenen Türstationen auf Ethernet und PoE. Das passt besonders gut zu einer fest installierten Gebäudeverkabelung. Geräte wie die D1101V können per PoE betrieben werden und lassen sich dadurch ohne separates Netzteil an der Haustür installieren.
DoorBird ist außerdem interessant, wenn neben der Videofunktion ein Türöffner, ein NAS oder eine bestehende Gebäudeautomation eingebunden werden soll.
Passend dazu: DoorBird in Synology NAS integrieren
UniFi G4 Doorbell Pro PoE
Wer bereits UniFi Protect einsetzt, kann sich auch die G4 Doorbell Pro PoE ansehen. Das PoE-Kit integriert die Türklingel direkt in das UniFi-Netzwerk und ist besonders für Nutzer interessant, die bereits UniFi-Kameras, Switches oder einen Protect-Recorder verwenden.
Welches Netzwerkkabel für eine PoE-Türklingel?
Für eine Neuinstallation würde ich mindestens ein ordentliches Cat-6-Kabel beziehungsweise eine geeignete Installationsleitung verwenden. Im Außenbereich sollte außerdem darauf geachtet werden, dass das verwendete Kabel und die Verlegung für die Umgebungsbedingungen geeignet sind.
Wer bereits eine strukturierte Netzwerkverkabelung im Haus besitzt, kann die Leitung zur Haustür über Patchpanel und PoE-Switch anbinden. Das macht die Installation später auch leichter wartbar.
PoE-Switch oder Injektor?
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Nur eine PoE-Türklingel | PoE-Injektor kann ausreichend sein |
| Türklingel und mehrere Kameras | PoE-Switch |
| Access Points ebenfalls per PoE | PoE-Switch |
| Vorhandener guter Switch ohne PoE | PoE-Injektor als günstige Ergänzung |
| Kompletter Neuaufbau | PoE-Switch einplanen |
PoE-Türklingel oder WLAN-Türklingel?
Bei einer bestehenden Immobilie ist WLAN oft einfacher nachzurüsten. Liegt die alte Klingelleitung bereits an der Tür, kann eine kabelgebundene WLAN-Türklingel darüber mit Strom versorgt werden.
Wenn ich die Verkabelung dagegen frei planen könnte, würde ich bei einem fest installierten Gerät wie einer Video-Türklingel Ethernet bevorzugen. Die Leitung wird einmal verlegt und steht anschließend dauerhaft für Strom und Netzwerk zur Verfügung.
| PoE | WLAN | Akku | |
|---|---|---|---|
| Neue Kabel nötig | meist ja | oft nein | nein |
| Netzwerkstabilität | sehr gut | abhängig vom WLAN | abhängig vom WLAN |
| Akku laden | nein | nein bei fester Versorgung | ja |
| Installation | aufwendiger | mittel | einfach |
| Neubau/Renovierung | sehr interessant | gut | meist nicht notwendig |
PoE und Home Assistant
PoE und Home Assistant ergänzen sich gut, weil die Türklingel dauerhaft im lokalen Netzwerk erreichbar ist. Entscheidend für die eigentliche Integration ist allerdings nicht PoE selbst, sondern welche Schnittstellen und Integrationen das jeweilige Gerät bereitstellt.
Bei Modellen mit RTSP, ONVIF oder einer direkten Home-Assistant-Integration lassen sich je nach Gerät Kamerabilder, Bewegungsereignisse und Klingelsignale weiterverwenden.
PoE und lokale Videoaufzeichnung
Eine kabelgebundene Netzwerkverbindung ist auch für längere Videoaufzeichnungen praktisch. Wer die Türklingel mit einem NAS oder NVR verbindet, muss größere Datenmengen nicht über das WLAN übertragen.
Welche Möglichkeiten bestehen, hängt vom jeweiligen Modell ab. Unterstützt die Türklingel RTSP oder ONVIF, ergeben sich häufig zusätzliche Möglichkeiten für lokale Systeme.
- Video-Türklingel mit Synology NAS
- Video-Türklingel mit RTSP und ONVIF
- Video-Türklingel mit lokalem Speicher
Wann lohnt sich PoE besonders?
PoE würde ich vor allem dann einplanen, wenn sowieso renoviert oder neu gebaut wird. Ein Netzwerkkabel bis zur Haustür kostet in dieser Phase vergleichsweise wenig Aufwand und eröffnet später viele Möglichkeiten.
Auch bei einer bestehenden Netzwerkverkabelung oder einer geplanten Videoüberwachung mit mehreren PoE-Kameras ist eine PoE-Türklingel sinnvoll. Wenn dagegen ausschließlich zwei alte Klingeldrähte vorhanden sind und keine neuen Leitungen verlegt werden sollen, kann eine kabelgebundene WLAN-Türklingel die einfachere Lösung sein.
Fazit: PoE ist die saubere Lösung für eine feste Installation
Eine PoE-Türklingel benötigt an der Haustür nur eine Netzwerkleitung. Darüber laufen Daten und Stromversorgung gleichzeitig. Das macht die Installation besonders interessant für Neubauten, Renovierungen und Häuser mit strukturierter Netzwerkverkabelung.
Für eine einzelne Türklingel kann bereits ein PoE-Injektor ausreichen. Wer zusätzlich Kameras oder Access Points betreibt, ist mit einem kleinen PoE-Switch meist besser aufgestellt.
Bei der Auswahl solltest du darauf achten, welchen PoE-Standard die Türklingel tatsächlich unterstützt. Mit standardkonformen Geräten nach IEEE 802.3af oder 802.3at lässt sich ein übersichtliches und zuverlässiges Netzwerk aufbauen.
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