Video-Türklingel mit Home Assistant verbinden: Reolink, ONVIF und RTSP
Eine Video-Türklingel wird deutlich interessanter, wenn sie nicht nur in der Hersteller-App auftaucht. In Home Assistant kannst du das Kamerabild gemeinsam mit deinen anderen Smart-Home-Geräten nutzen, Automationen beim Klingeln auslösen oder eine Benachrichtigung auf dein Smartphone schicken.
Wie einfach das funktioniert, hängt allerdings stark von der verwendeten Türklingel ab. Besonders interessant sind Modelle, die sich lokal über eine Home-Assistant-Integration, ONVIF oder RTSP erreichen lassen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Reolink Video Doorbell.
In diesem Ratgeber schauen wir uns an, welche Möglichkeiten es gibt und was du vor dem Kauf einer Video-Türklingel beachten solltest, wenn Home Assistant später eine Rolle spielen soll.
Was bringt eine Video-Türklingel in Home Assistant?
Die Hersteller-App reicht für den normalen Betrieb meistens aus. Du bekommst eine Benachrichtigung, kannst das Livebild öffnen und mit der Person vor der Tür sprechen.
Home Assistant eröffnet zusätzliche Möglichkeiten. Die Türklingel kann Teil deiner vorhandenen Automationen werden.
- Kamerabild im Home-Assistant-Dashboard anzeigen
- Automation beim Betätigen der Klingel starten
- Push-Nachricht auf das Smartphone senden
- Außenbeleuchtung bei Bewegung einschalten
- Aufnahmen oder Schnappschüsse erstellen
- Klingelereignisse mit anderen Sensoren kombinieren
- Videostream auf einem Wandtablet anzeigen
- Türklingel gemeinsam mit weiteren Kameras überwachen
Gerade diese Kombination macht Home Assistant interessant. Die Türklingel arbeitet dann nicht mehr isoliert, sondern wird Teil des restlichen Smart Homes.
Drei Wege zur Einbindung: Integration, ONVIF und RTSP
Bei Video-Türklingeln begegnen dir häufig drei Begriffe: eine direkte Home-Assistant-Integration, ONVIF und RTSP. Sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
| Methode | Typische Möglichkeiten | Aufwand |
|---|---|---|
| Home-Assistant-Integration | Kamera, Sensoren, Ereignisse und weitere Funktionen | gering bis mittel |
| ONVIF | Kamera und je nach Gerät weitere Funktionen/Ereignisse | mittel |
| RTSP | hauptsächlich Video-/Audiostream | mittel |
Wenn für deine Türklingel eine gut gepflegte Home-Assistant-Integration verfügbar ist, würde ich diese zuerst prüfen. RTSP ist dagegen besonders nützlich, wenn du in erster Linie auf den Videostream zugreifen möchtest.
Reolink Video Doorbell mit Home Assistant verbinden
Die Reolink Video Doorbell ist für Home-Assistant-Nutzer interessant, weil Reolink von Home Assistant direkt unterstützt wird. Damit lässt sich mehr als nur ein einfacher Kamerastream integrieren.
Wenn du noch zwischen den verschiedenen Reolink-Varianten schwankst, findest du in unserem Artikel Reolink Video Doorbell: PoE, WLAN oder Akku im Vergleich weitere Informationen.
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Schritt 1: Türklingel zuerst normal einrichten
Bevor Home Assistant ins Spiel kommt, sollte die Türklingel im eigenen Netzwerk vollständig funktionieren. Richte sie zunächst entsprechend der Herstelleranleitung ein und prüfe das Livebild.
Bei einer PoE-Version ist eine kabelgebundene Verbindung besonders praktisch. Wie die Verkabelung aufgebaut wird, erklären wir ausführlich im Ratgeber PoE-Türklingel installieren: Kabel, Switch und Anschluss.
Schritt 2: Reolink in Home Assistant hinzufügen
Öffne in Home Assistant:
Einstellungen → Geräte & Dienste → Integration hinzufügen → Reolink
Home Assistant kann unterstützte Geräte im lokalen Netzwerk teilweise bereits automatisch erkennen. Falls die Türklingel nicht auftaucht, kannst du die Integration manuell hinzufügen.
Dafür benötigst du die Zugangsdaten des Reolink-Geräts beziehungsweise eines dafür eingerichteten Benutzers.
Ich würde für Smart-Home-Integrationen nach Möglichkeit einen eigenen Benutzer auf dem Gerät anlegen, statt überall dasselbe Administratorkonto zu verwenden. Welche Rechte notwendig sind, hängt von den Funktionen ab, die du nutzen möchtest.
Schritt 3: Entitäten prüfen
Nach erfolgreicher Einrichtung legt Home Assistant die unterstützten Geräte und Entitäten an. Welche davon tatsächlich zur Verfügung stehen, hängt vom Modell, der Firmware und der verwendeten Home-Assistant-Version ab.
Prüfe deshalb nach der Einrichtung unter Geräte & Dienste direkt die Reolink-Türklingel. Dort siehst du, welche Sensoren, Schalter, Kameras und Ereignisse Home Assistant aktuell bereitstellt.
Kamerabild im Home-Assistant-Dashboard anzeigen
Eine der einfachsten Anwendungen ist das Livebild im Dashboard. Dafür kannst du eine passende Kamera-Karte verwenden und die Kamera-Entität deiner Türklingel auswählen.
Das ist besonders praktisch auf einem Wandtablet im Flur oder Wohnzimmer. Neben der Türklingel lassen sich dort beispielsweise Haustürkontakt, Außenbeleuchtung und weitere Kameras zusammen anzeigen.
Bei mehreren hochauflösenden Kamerastreams solltest du allerdings die Belastung des Netzwerks und des Home-Assistant-Systems im Blick behalten.
Automation auslösen, wenn jemand klingelt
Für mich ist das einer der interessantesten Gründe für die Integration. Ein Klingelereignis kann direkt eine Automation auslösen.
Eine einfache Automation könnte so aussehen:
Jemand drückt die Türklingel
↓
Home Assistant erkennt das Ereignis
↓
Push-Nachricht auf das Smartphone
↓
optional: Außenlicht einschalten
↓
optional: Kamerabild/Snapshot anzeigen
Welche Auslöser deine Türklingel tatsächlich bereitstellt, solltest du direkt in Home Assistant kontrollieren. So vermeidest du Anleitungen mit veralteten Entitätsnamen oder Funktionen, die bei deiner Firmware nicht vorhanden sind.
Benachrichtigung aufs Smartphone schicken
Ist die Home Assistant Companion App auf deinem Smartphone eingerichtet, kannst du eine Automation mit einer Push-Nachricht verbinden.
Die einfachste Variante lautet sinngemäß:
Auslöser: Türklingel wurde gedrückt Aktion: Benachrichtigung senden Text: „Es hat an der Haustür geklingelt.“
Je nach Einrichtung kannst du das später um einen Snapshot oder weitere Aktionen erweitern.
Was ist ONVIF?
ONVIF ist ein herstellerübergreifender Standard für IP-basierte Sicherheits- und Videogeräte. Unterstützt eine Türklingel ONVIF, kann sie dadurch mit kompatibler Software und anderen Systemen zusammenarbeiten.
Das ist besonders interessant, wenn du dich nicht ausschließlich auf die App oder Cloud eines Herstellers verlassen möchtest.
Home Assistant besitzt eine ONVIF-Integration. Darüber können kompatible Kameras eingebunden werden. Welche Funktionen verfügbar sind, unterscheidet sich allerdings von Gerät zu Gerät.
Mehr Grundlagen dazu findest du auch in unserem Ratgeber Video-Türklingel mit RTSP und ONVIF.
ONVIF-Türklingel in Home Assistant hinzufügen
Wenn deine Türklingel ONVIF unterstützt und der Dienst auf dem Gerät aktiviert ist, kannst du in Home Assistant die ONVIF-Integration hinzufügen.
Einstellungen → Geräte & Dienste → Integration hinzufügen → ONVIF
Anschließend benötigt Home Assistant die entsprechenden Netzwerk- und Zugangsdaten des Geräts.
Wichtig ist, dass ONVIF bei manchen Kameras erst in den Einstellungen aktiviert werden muss. Auch die benötigten Ports und Benutzerrechte können sich je nach Hersteller unterscheiden.
Was ist RTSP?
RTSP steht für Real Time Streaming Protocol. Vereinfacht gesagt bekommst du damit Zugriff auf einen Videostream der Kamera.
Das ist praktisch, wenn du das Kamerabild außerhalb der Hersteller-App verwenden möchtest. RTSP wird deshalb häufig auch zusammen mit NAS-Systemen, NVRs und anderer Videoüberwachungssoftware eingesetzt.
RTSP alleine bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Home Assistant auch erkennt, wenn jemand den Klingeltaster drückt. Der Stream liefert in erster Linie Bild und je nach Gerät beziehungsweise Stream auch Audio. Für Klingelereignisse und Sensorinformationen ist eine richtige Integration meist wesentlich interessanter.
RTSP-Stream in Home Assistant nutzen
Wenn keine passende Herstellerintegration vorhanden ist, aber die Türklingel einen RTSP-Stream bereitstellt, lässt sich dieser je nach Home-Assistant-Konfiguration als Kameraquelle verwenden.
Die genaue RTSP-Adresse unterscheidet sich zwischen den Herstellern und teilweise sogar zwischen verschiedenen Modellen. Benutzername, Passwort, IP-Adresse und Stream-Auswahl können Bestandteil der Adresse sein.
Ich würde Zugangsdaten nicht unnötig direkt in öffentlich einsehbaren Konfigurationsdateien oder Screenshots veröffentlichen. Für eine dauerhafte Installation solltest du außerdem feste beziehungsweise zuverlässig wiederkehrende IP-Adressen für relevante Netzwerkgeräte einplanen, zum Beispiel über eine DHCP-Reservierung im Router.
Reolink-Integration oder RTSP: Was ist sinnvoller?
Bei einer unterstützten Reolink-Türklingel würde ich zunächst die direkte Reolink-Integration verwenden. Sie kann Home Assistant deutlich mehr Informationen zur Verfügung stellen als ein reiner Videostream.
| Funktion | Reolink-Integration | RTSP |
|---|---|---|
| Videobild | Ja | Ja |
| Geräteintegration | Ja | Nein |
| Sensoren/Ereignisse | modellabhängig möglich | Nein |
| Automationen | sehr gut nutzbar | zusätzlicher Auslöser nötig |
| Herstellerübergreifend | Nein | Ja, wenn RTSP unterstützt wird |
RTSP bleibt trotzdem wertvoll. Der Stream kann beispielsweise zusätzlich für andere lokale Systeme genutzt werden.
Home Assistant und Synology NAS kombinieren
Eine interessante Kombination ist die parallele Nutzung mehrerer lokaler Systeme. Home Assistant kümmert sich um Automationen und Smart-Home-Ereignisse, während ein NAS beziehungsweise NVR für die Videoaufzeichnung zuständig ist.
Video-Türklingel
│
├── Home Assistant → Automationen
│
└── NAS/NVR → Videoaufzeichnung
Wenn du eine Synology DiskStation verwendest, findest du dazu weitere Informationen in unserem Artikel Video-Türklingel mit Synology NAS: Reolink, DoorBird & Co..
PoE oder WLAN für Home Assistant?
Home Assistant funktioniert grundsätzlich mit beiden Varianten. Bei einer dauerhaft installierten Kamera beziehungsweise Türklingel hat eine kabelgebundene Netzwerkverbindung aber einen praktischen Vorteil: Der Videostream muss nicht über das WLAN übertragen werden.
Gerade wenn das WLAN an der Haustür ohnehin schwach ist, kann PoE interessant sein. Netzwerk und Stromversorgung laufen dann über dasselbe Ethernet-Kabel.
Falls du gerade vor dieser Entscheidung stehst, lies auch unseren Artikel Video-Türklingel bei schlechtem WLAN: Reichweite verbessern oder auf PoE wechseln?.
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Welche Video-Türklingel eignet sich für Home Assistant?
Wenn Home Assistant bereits vor dem Kauf fest eingeplant ist, würde ich weniger auf die schönste Hersteller-App und stärker auf die lokalen Schnittstellen achten.
Interessant sind vor allem folgende Punkte:
- direkte Home-Assistant-Unterstützung
- lokaler Zugriff
- RTSP-Unterstützung
- ONVIF-Unterstützung
- PoE als Option
- lokale Speicherung
- möglichst geringe Abhängigkeit von einer Cloud
Eine Reolink Video Doorbell ist deshalb für viele Home-Assistant-Nutzer interessant. Je nach Anforderungen kommen aber auch andere Hersteller infrage. Entscheidend ist, welche Funktionen das konkrete Modell lokal zur Verfügung stellt.
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Was funktioniert häufig nicht so einfach?
Eine Integration in Home Assistant ersetzt nicht automatisch sämtliche Funktionen der Hersteller-App. Gegensprechen, spezielle Klingeltöne, Cloud-Aufzeichnungen oder herstellerspezifische Funktionen können weiterhin die Original-App benötigen.
Auch Firmware-Updates können Funktionen verändern. Prüfe deshalb bei einer Neuanschaffung immer die aktuelle Dokumentation des Herstellers und der jeweiligen Home-Assistant-Integration.
Mein bevorzugter Aufbau für eine lokale Installation
Wenn die baulichen Voraussetzungen vorhanden sind, gefällt mir für eine fest installierte Türklingel folgender Aufbau besonders gut:
PoE-Türklingel
│
▼
PoE-Switch
│
├── Home Assistant
│ └── Automationen & Benachrichtigungen
│
└── NAS/NVR
└── Videoaufzeichnung
Damit bleibt die wichtige Kommunikation im eigenen Netzwerk möglich und die einzelnen Aufgaben können sinnvoll aufgeteilt werden.
Fazit
Eine Video-Türklingel lässt sich besonders vielseitig nutzen, wenn sie lokale Schnittstellen mitbringt. Für Home Assistant ist eine direkte Integration meist der bequemste Weg, weil neben dem Kamerabild auch Sensoren und Ereignisse zur Verfügung stehen können.
ONVIF bietet eine herstellerübergreifende Möglichkeit zur Einbindung kompatibler Kameras. RTSP ist vor allem für den direkten Zugriff auf den Videostream interessant und eignet sich zusätzlich für NAS- und NVR-Systeme.
Wenn du eine neue Video-Türklingel speziell für Home Assistant suchst, würde ich deshalb schon vor dem Kauf prüfen, welche lokalen Funktionen das konkrete Modell tatsächlich unterstützt. Eine vorhandene Home-Assistant-Integration sowie ONVIF und RTSP geben dir langfristig deutlich mehr Möglichkeiten als ein System, das ausschließlich über die Hersteller-Cloud erreichbar ist.
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